Online-Vortrag: »Im Pleistozän erscheint nach bisheriger Auffassung der Mensch«. Posthumanistisches Alter(n) in Max Frischs Erzählung „Der Mensch erscheint im Holozän“

In meinem Buch „Ageing Trouble! Theorie, Diskursgeschichte und Praxis der Performativen Kulturgeragogik“ (2026) vergleiche ich die die wissenschaftliche mit der literarischen Topik von Bildung im Alter. 

Im Vortrag zeige ich auf, wie Max Frischs Erzählung „Der Mensch erscheint im Holozän“ (1979) auf einer Alterstopik aufbaut, die im geragogischen Diskurs in dieser Zeit unter dem Schlagwort ‚Defizitmodell des Alters‘ als wissenschaftlich widerlegt betrachtet wird.

Während im wissenschaftlichen geragogischen Diskurs der 1970er Jahre der biologisch-physische Prozess des Alterns mehr und mehr als gestaltbares, ja, steuerbares Produkt gelingenden Lebenslangen Lernens konzipiert und damit zunehmend entnaturalisiert wird, erzählt Frisch das Altern als grundlegende biologische Metamorphose, deren Naturgewalt der Mensch kaum etwas anderes entgegensetzen kann, als sich ihr schließlich in einem letzten Willensakt zu unterwerfen.

Frischs Erzählung weist damit im Diskursvergleich jedoch gleichzeitig einen weiten Schritt voraus: Die Erzählung relativiert nicht nur die Bedeutung eines positivistischen Faktenwissens für die subjektive Sinnstiftung im Alter, sondern erschüttert mit einer transhumanen Perspektive auf das planetare Alter(n) den Anthropozentrismus des Altersdiskurses seiner Zeit. Damit nimmt Frisch bereits Ende der 1970er Jahre posthumanistische Sichtweisen auf das Alter(n) vorweg, die im deutschsprachigen gerontologischen Diskurs erst in den 2020er Jahren diskutiert werden.

Der Online-Vortrag findet im Rahmen des DAAD-Forschungsverbunds „European Societal Challenges in German Culture: Exploring Ageing and Climate Change in Tandem“ statt.

Anmeldung unter: https://www.eventbrite.ie/e/online-vortrag-miriam-haller-tickets-2003053467843?aff=oddtdtcreator&keep_tld=true