Challenging Ageism! ENAS-Konferenz in Lleida: „Ageing, Old Age, and Intergenerational Relationships through Narrative and Practice“


Auf der gemeinsamen Konferenz von ENAS (European Network of Aging Studies) und NANAS (North American Network of Aging Studies) an der Universität Lleida, eine der ältesten Universitäten Spaniens, drehte sich vom 8.-11. April 2025 alles um kulturwissenschaftliche Sichten auf Ageismus und intergenerationelle Beziehungen in Kunst und Kultur.

Aus geistes- und sozialwissenschaftlicher Perspektive hat diese Konferenz die Teilnehmenden dazu eingeladen, darüber nachzudenken, wie intergenerationelle Beziehungen in Erzählungen über Altern und Alter dargestellt und verstanden werden.

Gesehen in Marseille, auf dem Weg nach Lleida

Es ging aber auch darum, unterschiedliche Praktiken intergenerationeller Beziehungen in Kunst- und Kulturprojekten, Intergenerationeller Bildung und verschiedenen Formen von Care-Arbeit kritisch zu reflektieren: Wie tragen sie dazu bei, eine ageistische Sicht auf das Altern zu verstärken oder im Gegenteil einschränkende Vorstellungen von Altern und Alter in Frage zu stellen und Ageismus zu bekämpfen?

Rund 180 Wissenschaftler*innen aus aller Welt stellten ihre neuesten Forschungsergebnisse vor und diskutierten über gegenwärtige und zukünftige Herausforderungen in einer alternden und immer noch überwiegend altersdiskriminierenden Gesellschaft.

Ich habe dort meine explorative Studie über die Konstruktion und Dekonstruktion von Generationendifferenzen und ageistischen Altersstereotypen in intergenerationellen Kulturprojekten in Deutschland vorgestellt: „Un/doing Generations. The Making of Generational Differences in Intergenerational Cultural Projects in Germany“.

Besonders anregend fand ich Einsichten der ‚Materiellen Gerontologie‘ zum Altern von Städten und dem Strukturwandel von Regionen, wie sie sich in das Altern ihrer Bewohnerinnen und ihre Altersnarrative einschreiben und welche Rolle dabei Kunst- und Kulturprojekte spielen.

Die deutliche Betonung und verstärkte Untersuchung von Praktiken der emotionalen und haptisch-leiblichen Berührung durch Kunst und Literatur hat mich gefreut.

Das Panel über „Postkritik“ hat mich jedoch zum kritischen Nachdenken darüber gebracht, inwieweit Ansätze, die allein ein emphatisch-affirmatives Loblied auf die Kraft der Künste und Kulturtechniken wie bespielsweise das Gärtnern singen, nicht problematischen Biedermeier-Tendenzen Vorschub leisten, die wir uns gerade heute nicht leisten können. Oder brauchen wir Alternden angesichts der Schrecken der aktuellen politischen Entwicklung diese Erdung, den Blick auf das Positive und Verbindende, das affirmative körperliche Verwurzeln und Kraftschöpfen aus dem, was an Natur noch da ist, gerade so not-wendig, dass erst von dort aus wieder ein kritisches Eingreifen möglich ist? Das ist nur eine der Fragen, die ich mitnehme und die mich bestimmt noch weiter beschäftigen werden.

1000 Dank an die Organisator*innen für Ihre herzliche Gastfreundschaft und diese wunderbare Gelegenheit zum internationalen Austausch von Forschungsergebnissen, Konzepten  und Gedanken!