16. April 2024
Im Blick: Altersbilder – Thementag zur neuen Sichtbarkeit des Alters in Kunst und Kultur. Eine Veranstaltung von kubia und der SK Stiftung Kultur anlässlich der Ausstellung „Blick in die Zeit: Alter und Altern im photographischen Porträt“.
Im Gespräch mit Claudia Schubert, Kuratorin der Ausstellung (Photographische Sammlung, SK Stiftung Kultur) und der Photographin Natalya Reznik:


Was ist das Neue an der neuen Sichtbarkeit des Alters in der Kunst? Was hat es auf sich mit der #greynaissance des Alters in den Sozialen Medien? Welche besondere Beziehung hat die Photographie zum Alter(n)?
Die Photographin Natalya Reznik hat 2017 die Serie „The Old Word“ begonnen. Sie geht von dem Fakt aus, dass der gesellschaftliche Anteil von älteren Menschen in Europa und Asien zunehmend größer wird. Reznik fragt, wie die Gesellschaft der Zukunft wohl im Jahr 2050 aussehen könnte. In ihren Photographien entwickelt sie einen Vorgriff auf ein Schönheitsideal, das das heute immer noch vorherrschende Schönheitsideal von Jugendlichkeit für Frauen jenseits der Lebensmitte für überholt erklärt. Damit realisiert sie eine Forderung, die Susan Sontag schon in den 1970er Jahren aufgestellt hat. Natalya Reznik greift für dieses neue Schönheitsideal auf eine Bildsprache zurück, die an Porträtmalereien aus der Renaissance erinnert und beschreibt das mit dem Schlagwort der „Greynaissance“. Unter dem Hashtag #Greynaissance findet man in den sozialen Medien eine ganze Flut von solchen „neuen“ Bildern von der Schönheit älterer Frauen.
Die Ausstellung „Blick in die Zeit“ zeigt das besondere Verhältnis von Photographie, Alter(n) und Zeitlichkeit auf.
Wir altern in jeder Sekunde. Das fotografische Bild bannt den Moment, bannt diese Sekunde. Unsere alten Fotos erinnern uns an die unterschiedlich alten Versionen unseres Selbst, geben uns Anlass zur biografischen Selbstreflexion und unserer eigenen Bilder vom Alter(n).

📷: Natalya Reznik
Einen detaillierten Tagungsbericht zum kubia-Thementag findet Ihr hier.